Die Tiefe eines 3D Lenticularbildes ist abhängig von der in ihm abgebildeten oder in ihr abbildbaren Parallaxe (das Maß der Querverschiebung von weit vorn oder weit hinten liegenden Bild-Elementen). Speziell die Auflösung des Druckers - und damit auch die Anzahl der einsetzbaren Frames - limitiert die Möglichkeiten. Grundsätzlich kann eine grobe Linse (z.B. 20 LPI) eine größere Parallaxe (= Tiefe) abbilden, als eine z.B. 75 LPI Folie.
Ich möchte Ihnen Richtwerte geben, die eher auf Erfahrung als auf konkretem Wissen beruhen.
Diese Werte sind "konservativ", und stellen auch Details in der Bildtiefe noch hinreichen scharf dar.
75 LPI Folie / 15 Frames / Offset 2400 dpi = 8 mm
62 LPI Folie / 19 Frames / Offset 2400 dpi = 12 mm
60 LPI 3D Platte / 19 Frames / Tintenstrahl 1200 ppi = 15 mm
40 LPI 3D Platte / 30 Frames / Tintenstrahl 1200 ppi = 25 mm
20 LPI 3D Platte / 30 Frames / Tintenstrahl 600 ppi = 250 mm
15 LPI 3D Platte / 36 Frames / Tintenstrahl 600 ppi = 400 mm
Die Parallaxe deutlich darüber zu erhöhen, würde zwar zu tieferen, in aller Regel aber auch schlechteren Ergebnissen führen. Natürlich gibt es, wie immer, Ausnahmen. Große runde Bildgegenstände können mit größerer Tiefe gestaltet werden. Kleine senkrecht stehende Strukturen vertragen weniger.
Alle 3DZ Programe bei denen Sie Einfluss auf die Gestaltung der Tiefe haben, oder wo es wichtig ist, darüber im Vorfeld des Drucks Informationen zu gewinnen, haben Werkzeuge an Bord, die Parallaxe entweder auszumessen oder zu beeinflussen.
Bildbeispiel:
Der 3DZ Interlacer zeigt die Parallaxe in Form einer Überlagerung vom ersten und letzten Bild an.
Am Abstand der beiden senkrechten Linien kann man in Abhängigkeit von der Druckgröße die Parallaxe ablesen.
Noch zwei generelle Hinweise zu 3D Bildern.
Für eine "grandiose" Raum-Wirkung ist es nicht unbedingt notwendig, dass Bildgegenstände weit nach vorn aus der Platte heraustreten. Viel wichtiger ist die perfekte technische Ausführung, sozusagen die "Präsenz" des Bildes und vor allem, dass der dargestellte Raum und die Dinge, die sich darin befinden, dem Betrachter in ihrer geometrischen Beziehung zueinander logisch erscheinen und seine visuelle Erfahrung nicht auf eine allzuharte Probe stellen.
Nutzen Sie den Raum vor der Bildeben, aber bleiben Sie in Grenzen.
Vor allem sollten alle nach vorn heraus tretenden Dinge gestochen scharf sein. Weit in der Tiefe des Bildes dürfen Sie dagegen mit der Lenticular-Entsprechung zur fotografischen Tiefen-Unschärfe arbeiten. Der Betrachter akzeptiert es, wenn weit entfernt gelegene Bild-Inhalte verschwimmen (z.B. Hintergründe, die nicht selbst primärer Bildgegenstand sind).
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die "Fenster-Verletzung".
Angenommen Ihr 3D Bild wird gerahmt, da ist es für den Betrachter ok, wenn Gegenstände, die in der Tiefe des Bildes und seitlich am Rand liegen, angeschnitten sind und teil- und zeitweise hinter dem Rahmen verschwinden. Ganz und gar nicht ok ist es, wenn Dinge auf diese Weise angeschnitten werden, die räumlich vor der Bildebene stehen. Es kann dann passieren, dass der gesamte (vordere) 3D-Eindruck quasi zusammenbricht. Manche Betrachter sind nicht bereit (bzw. nicht in der Lage) so einen groben Missklang zwischen Wahrnehmung und Erfahrung zu überbrücken:
Dinge die vor einem Rahmen stehen, können nicht einfach hinter ihm verschwinden!
3DZ V7 2012
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